Nachricht zum Thema Hartz IV / ALG II vom 19.01.2009 um 21:13 Uhr

ARGE sanktioniert Analphabeten wegen zu wenig Bewerbungen

Nach einem Bericht des Politmagazins „Report Mainz“ hat die Greifswalder Arbeitsverwaltung einen ALG II Bezieher in die Obdachlosigkeit getrieben.

Dem Analphabeten wurden so lange die Leistungen gekürzt, bis dessen Mietschulden zur Zwangsräumung seiner Wohnung geführt haben, woraufhin er in das städtische Obdachlosenheim ziehen musste.

Als Grund für die Sanktionen gab die ARGE an, dass der Mann „zu keiner Kooperation bereit“ war. So habe er keine Bewerbungen geschrieben. Das der „Kunde“ des Schreibens nicht mächtig ist, spielte für die Sanktionsentscheidung offenbar keine Rolle.

Laut „Report Mainz“ erklärte ARGE-Geschäftsführer Erich Bartels, dass die Sanktionen nicht zu vermeiden gewesen seien. Nach Einschätzung der Rechtsanwältin des betroffenen Mannes hingegen waren zwei Drittel der Sanktionen widerrechtlich.

Das ARD-Magazin „Report Mainz“ berichtet heute um 21.45 Uhr über diesen Fall.

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bisher 10 Kommentare zu dieser Nachricht
  1. Robert am 21. Januar 2009 um 15:39 Uhr

    Anscheinen vergaß ARGE Geschäftsf E.Bartels, daß von seiner Seite er verpflichtet ist einem Analphabeten
    beim ausfüllen der Papiere behilflich sein müßte.
    Aber nicht diese werden herangezogen(nachweisliche Gesetztebrecher) sondern die Arbeitsfaulen Hartz IV Empfänger.(ich lebe nicht von Hartz IV)

  2. Lara  (Website)  am 21. Januar 2009 um 18:55 Uhr

    Die Bearbeiter des Falls leben für mich hinter dem Mond. Statt dem Harz IV Empfänger , der weder lesen noch schreiben kann und so Analphabeth ist einen Förderlehrgang fürs Lesen und Schreiben zu gewähren und ihn so wieder gesellschafftsfähig zu machen, kürzen sie die Leistungen und treiben ihn noch weiter an Rande der Gesellschaft wie er schon ist.
    Eigentlich gehört dem Mitarbeiter der ARGE der das entschieden hat, sein Job genommen. Damit er mal am eingen Leibe erfährt was es heißt „Ein lebenswertes Leben “ zu führen.

    Ich kann nur mit dem Kopf schütteln.

  3. Ronny  (Website)  am 22. Januar 2009 um 16:00 Uhr

    Mich würde interessieren,wie weit die menschlichen Regungen bei Hartz IV – Sachbearbeitern heruntergefahren sein müssen,um solche Entscheidungen zu treffen.Wird denen das bei der Vorbereitung auf diesen Job mit eingehämmert oder müssen solche Menschen eine derartige Gefühlskälte schon als Grundeigenschaft mitbringen,um in diesem Gewerbe überhaupt arbeiten zu können?Was sagt eigentlich die Gesellschaft für Menschenrechte zu diesem ungeheuerlichen Vorfall?

  4. Annette am 22. Januar 2009 um 19:11 Uhr

    So einen ähnlichen Fall kenne ich aus der ARGE Bad Kissingen. Da wollte die ARGE einem Hartz IV Empfänger Sanktionen erteilen weil er angeblich seine Arbeit verweigert hat bei einem 1,00 Eurojob auf einem Bauhof. Der Amtsarzt selbst hat aber zugegeben das er diese Arbeit nicht ausführen darf aus gesundheitlichen Gründen. Das Gutachten vom Amtsarzt wurde dem Hartz IV Empfänger nicht ausgehändigt damit er das nicht beweisen kann und einen Widerspruch bei der ARGE einreichen kann.

  5. Mischke  (Website)  am 23. Januar 2009 um 08:13 Uhr

    Finde ich ne riesen Schweinerei, es gibt Bildungsträger die solche Maßnahmen anbieten und vom Arbeitsamt oder A
    RGE keine Leute bekommen. Die strafen die Leute anstatt sie weiterzubilden und Ihnen eine Chance zugeben. Lieber machen Sie sinnlose 1 Euro Jobs wie Jugendbetreuung, Gärtnerarbeiten oder Bänke streichen und sonstigen Mist. Genauso mit ihren 1 Euro od. 400 Euro Jobs haben die es geschafft das soviele Vollzeitstellen zu streichen, dadurch gibt es immer mehr Arbeitslose, weil die Firmen lieber zwei 400 Eurojober sich holen als einen Festangestellten (Einsparung der Lohnnebenkosten).
    Die ARGEn sollten, das Geld lieber sinnvoller ausgeben als es aus dem Fenster zu schmeissen.

  6. Ami am 27. Januar 2009 um 13:45 Uhr

    1.Wo kann ein ALGII-Empfänger nach dem ihm das ALG gekürzt wurde, in kurze Zeit und in der Nähe seines Wohnortes das Lebensmittel, Medikamente usw.
    von Sozialdiensten kostenlos bekommen ?.
    2.Wer ist verpflichtet in Deutschland die Sozialdiensten in Großstädten zu organisieren?
    3.Sind ALGII-Sanktionen/Kürzungen = Mordversuch?

  7. Bruno am 9. März 2009 um 22:07 Uhr

    Ich gebe beiden die Schuld an der Obdachlosigkeit.
    Durch einen TV-Bericht habe ich mitbekommen, dass der arbeitslose Analphabet noch Eltern hat. Die hätten ihm ruhig mal eine Bewerbung schreiben können.
    Das Amt (Bundesagentur f. Arbeit) hat ihn nicht gefördert. Man hätte dem Mann einen Schreib- und Lesekurs finanzieren sollen, für diese Kurse wird doch dauernd Werbung gemacht. Warum in aller Welt konnte also die Arbeitsagentur nicht diesen Kurs ihm bezahlen!?
    Armes Deutschland!

  8. gänseblümchen am 29. Dezember 2009 um 13:14 Uhr

    das problem ist allumfassend-nicht nur am ende eines langen weges stehen kürzungen ohne ende sondern auch am anfang und da handelt es sich nicht um kürzungen sondern einfach um nichtbezahlung. wenn sich ein bearbeiter einen überblick verschaffen kann, dann wird er doch auch wohl die fähigkeit haben einen scheck auszuschreiben um die anfngszeit ohne geld zu überbrücken-oder gibt es hier einen der schon am ersten tag sein geld bekommen hat? ich selbst habe erlebt wie einem arbeitslosen vater von vier kindern drei monate kein geld gezahlt wurde. er vertraute sich mir an und ich habe am monatsende alle meine nahrungsmittel zusammengetan und ihm übergeben und dann bin ich ins amt gefahren und habe dort krach geschlagen. schade dass ich nicht in greifswald wohne. den herrschaften hätte ich auch gerne was erzählt. eins dürfen wir niemals vergessen: egal wo wir gerade stehen, wir müssen solidarisch sein und auch mal unsere meinung sagen und auch sagen dürfen. aber leider stehen sich zwei völlig fremde welten gegenübe:r beamte mit stetig steigenden gehältern und hartz-IV bei denen gekürzt werden kann und zwar von der ersten gruppe.

    Euer gänseblümchen

  9. Beistand am 21. Oktober 2010 um 07:41 Uhr

    Als Beistand gemäß § 13 SGB X helfe ich auch einem Analphabeten bei den Formularen der Kommune für SGBII.

    Ich kann nur jedem Analphabeten raten, die Kommune oder Arge darauf hinzuweisen, daß man um größtmögliche Hilfestellung beim Lesen und Schreiben bittet.

    Als Beistand legte ich schriftlich das Schreiben um Hilfestellung bei. In einer völlig entspannten Atmosphäre kontrollierten wir den Antrag auf SGBII. Alles war zur Zufriedenheit und der SGBII-Empfänger erhielt nach fünf Arbeitstagen seine Leistungen.

    Analphabeten neigen dazu, ihr Defizit zu verheimlichen, weil sie sich schämen. Natürlich kann man das Gegenüber nicht verantwortlich machen, wenn man selbst lügt!

    Der nächste Weg muß für den Analphaten heißen, daß er das Lesen und Schreiben an der Volkshochschule erlernen möchte.

  10. Helga am 21. Februar 2013 um 11:12 Uhr

    Nachdem ich diese Sendung gesehen habe, frage ich mich:
    Wieso zieht der Mann nicht bei seinen Eltern ein, deren Rente nach Angaben des Beitrags fast völlig für den Pflegedienst „draufgeht“. Würde Herr Dinse seine Eltern pflegen, könnten diese den Pflegedienst zumindest teilweise einsparen und dem Sohn wäre auch geholfen. Ein gesunder, kräftiger Mann ist durchaus in der Lage, Pflegearbeiten zu verrichten, auch ohne Ausbildung, das tun bundesweit sehr viele Menschen, vor allem Frauen, und die haben das auch nicht alle gelernt.

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