Risiken des Niedrigzinses - Hohe Tilgung beugt Schuldenfallen vor

Die Politik der Europäischen Zentralbank wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf den Alltag der Bevölkerung des Kontinents aus. Während sich die Sparer über den Zinssatz beschweren, sorgt dieser gerade in der Immobilienbranche für ein hohes Aufkommen neuer Hausbesitzer.

Doch Viele lassen sich von den niedrigen Zinsen und den günstigen Konditionen blenden. Unterschätzen angehende Hausbesitzer den Niedrigzins und das damit verbundene Risiko der Schuldenfalle? Diese Frage gilt es aufzuarbeiten. Fakt ist, um den Verlauf verstehen zu können, sind zunächst Kenntnisse über die Zentralbanken und deren Vernetzung notwendig. Darüber hinaus müssen die verschieden Finanzierungswege dargelegt werden, die beim Hauskauf präferiert werden. Diese haben alle unterschiedliche Vorzüge und Risiken. Verbraucher lassen sich jedoch meist von den niedrigen Zinsen blenden und klammern Gefahren aus, weswegen einige in die Schuldenfalle abrutschen.

1. Der gegenwärtige Niedrigzins

Die momentane Situation der niedrigen Zinsen resultiert aus den Reaktionen der Finanzkrise. Eine Maßnahme der Krisenbekämpfung sieht schließlich die Senkung des Leitzins‘ vor. Diese wurde zunächst von der US-Notenbank FED und später auch von der Europäischen Zentralbank umgesetzt. Doch welche Auswirkungen hat dieser niedrige Zinssatz auf die Märkte und welche Vorteile erhoffen sich die Zentralbanken dadurch? Zunächst entlastet er die Kreditinstitute der südlichen Länder, denn gerade die Krisenbanken sind so in der Lage, sich größere Mengen Geld zu leihen. Außerdem können sie zu günstigeren Konditionen Geld verleihen. Auf diese Weise soll die Wirtschaft angekurbelt werden, da mehr Geld im Umlauf ist und es keinen Sinn macht, das Geld anzulegen. Doch wie kam es zu diesem historischen Niedrigzins und welche Gefahren birgt dieser Verlauf? Grund zur Sorge besteht allemal, denn durch den Tiefststand steigt das Risiko von Blasenbildungen erheblich. 

a. Entwicklung seit der Finanzkrise

Die Phase des Niedrigzins‘ begann im Jahre 2008, als die weltweite Finanzkrise ausbrach. Noch 2007 war der Leitzins der EZB bei vier Prozent, dann setzte die Rezession ein. Mit Beginn der kritischen Zeit senkten die Zentralbanken diesen sukzessive von 4,25 Prozent im Jahre 2008 bis hin zu einem Satz von 0,05 Prozent Ende 2014. Lediglich 2011 gab es kleinere Anhebungen. Als Grund wurde der anhaltende Druck durch die Inflation genannt. Die Bank hat dadurch versucht, die Rate zu senken. Zur damaligen Zeit wurde spekuliert, dass die Krisenpolitik, also die Vergabe billigen Geldes, ein Ende gefunden habe. Allerdings senkten die Verantwortlichen unmittelbar danach den Zinssatz erneut und widerlegten somit die Vermutungen um ein Ende der Krisenmaßnahmen. 

b. Auswirkungen – Anstieg der Immobilienkäufe in Deutschland

Der anhaltend niedrige Zinssatz hat mehrere Auswirkungen zur Folge. So rufen die gegenwärtigen Konditionen eine hohe Risikobereitschaft hervor, denn es müssen Risiken eingegangen werden, um die Renditen zu realisieren. Dies ist bei den Versicherungen und Pensionsfonds erkennbar. Am Beispiel einer japanischen Lebensversicherung ist das besonders deutlich, denn diese brach Anfang der 2000er Jahre zusammen. Eine Reaktion auf den damaligen Niedrigzins. Heutzutage ist es also unmöglich, in eine Anleihe zu investieren und eine nennenswerte Rendite zu erwirtschaften, ohne ein großes Risiko dabei einzugehen. Stattdessen müssen erhebliche Gefahren in Kauf genommen werden.

Ein weiteres, drohendes Szenario ist das Entstehen einer Immobilienblase. Durch den niedrigen Zinssatz lohnt es sich nicht mehr, das Geld anzulegen. Stattdessen steigt die Zahl der Immobilienkäufer in der Bundesrepublik, da diese das Vermögen dort besser angelegt sehen als auf einer Bank mit niedriger Rendite.  

Oftmals wird vergessen, dass trotz der Senkungen des Leitzinses auch Strukturreformen von Nöten sind. Diese sind jedoch bisher ausgeblieben. Gleiches behauptet auch der Wirtschaftsweise Volker Wieland, der in der Investition in Immobilien und Aktien eine Gefahr sieht. Es bestehe das akute Risiko einer Spekulationsblase. Zum jetzigen Zeitpunkt kann jedoch unmöglich eingeschätzt werden, ob die Immobilienpreise irgendwann einstürzen. Denn noch wurden die Neubauten seit Mitte 2010 um rund dreißig Prozent teurer. Entsprechend warnte auch Finanzminister Wolfgang Schäuble vor dieser unvorhersehbaren Entwicklung. Das Platzen einer Immobilienblase und die Auswirkungen sind in Spanien zu beobachten, schließlich wurde das Gefahrenszenario dort Realität.

2. Die Rolle der Europäischen Zentralbank

a. Die Politik 

Die Europäische Zentralbank ist, gemeinsam mit den Zentralbanken der einzelnen Länder, für den Euro verantwortlich. Gemeinsam bilden diese Institutionen das Eurosystem. Dieses hat zur Aufgabe, die Geldpolitik festzulegen, durchzuführen und zu kontrollieren. Ziel ist eine Preisstabilität, also eine Inflation, die unter zwei Prozent liegt. Je höher die Inflation, desto schneller steigt der Preis. Das Geld verliert an Wert und Waren sowie Dienstleistungen sind nicht mehr für den gleichen Betrag zu erstehen. 

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sieht unterschiedliche zentrale Werkzeuge vor, um dies zu unterbinden. Beispiele dafür sind der Kauf von Staatsanleihen sowie die Regulierung des Leitzinses.

i. Anleihenkäufe

Eine Möglichkeit, der Inflation im Euroraum Herr zu werden, ist der Ankauf von Staatsanleihen. Zwar fallen seit Monaten die Preise, was sich für die Verbraucher positiv auswirkt, für die gesamte Wirtschaft ist dies jedoch langfristig schädlich. Die bisherigen Maßnahmen, die verabschiedet wurden, zeugten jedoch nur von mäßigem Erfolg. Die EZB erhofft sich durch den Kauf der Anleihen eine Ankurbelung der Wirtschaft, da neues Geld gedruckt werden würde, welches in den Märkten zirkuliert und die Unternehmen anspornt, größere Summen zu investieren. Auch die Preise würden dadurch steigen, was eine Erholung der Inflationsrate zur Folge hat. Ob die Wirtschaft davon wirklich profitiert, ist jedoch nicht ersichtlich. Die EZB geht davon aus, dass der Kauf der Anleihen die Banken dazu verleitet, vermehrt Kredite an die Unternehmen zu vergeben. Billiges Geld gibt es jedoch momentan ohnehin und die großen Firmen haben schlicht kein Vertrauen in die Wirtschaftslage der Zukunft, wollen aus diesem Grund auch nicht investieren. Wie die Tagesschau berichtete, plant die EZB bereits den Kauf der Anleihen von 17 Euro-Staaten. Monatlich gibt die Bank daher 45 bis 50 Millionen Euro für die Staatspapiere aus. Allerdings sträuben sich die Inhaber der Anleihen, vorwiegend Versicherungen, Notenbanken oder Pensionsfonds davor, diese tatsächlich zu veräußern, denn es fehlt schlicht an anderen sinnvollen Anlagemöglichkeiten. Erträge gehen auf diese Weise verloren, das Risiko der Spekulation steigt erneut und die Zinsen bringen im Gegenzug nicht die gewünschte Rendite. Das Modell der Anleihenkäufe stellt also eine Alternative dar, deren Ausgang vollkommen ungewiss ist.   

ii. Niedrigzins

Der momentane Niedrigzins resultiert aus der permanenten Senkung des Leitzinses. Wie bereits thematisiert wurde, nutzt die Europäische Zentralbank diese Regulierung, um die Wirtschaft anzukurbeln, läuft so allerdings auch in die Gefahr einer Inflation. Dennoch stellt dies ein wichtiges Werkzeug dar, das notwendig für die Kontrolle der  Preise ist. Denn dadurch hat die Bank Einfluss auf den Preisverlauf der öffentlichen Märkte. Trotz der momentanen Lage, widersetzt sich die Führungsriege der EZB einer Anhebung des Zinssatzes, um weiterhin die Konjunktur zu beleben. 

b. Künstliche Zinssenkung zu Lasten der Sparer

Sowohl für die Versicherer als auch für deren Kunden bedeutet der Niedrigzins jedoch das Gegenteil. Während sinkende Zinsen die Aufnahme eines Kredits vordergründig erleichtern, betrifft Sparer das Gegenteil. Denn hier wird die Rendite immer kleiner. Das ist schließlich auch der Hintergedanke, denn statt das Geld anzulegen, spekulieren die Zentralbanken darauf, dass dieses erneut investiert wird. Sparer leiden also unter dem momentanen Zustand. Während dieser in den 1990er Jahren noch eine Höhe von jährlich vier Prozent versprach, liegt er heutzutage lediglich bei 1,75 Prozent. 

Anleger können demnach durchaus als Verlierer der EZB-Politik bezeichnet werden, Schließlich ist die Rendite einerseits kleiner und andererseits wird ein Teil des Geldes von der Inflationsrate aufgefressen, sofern der Garantiezins unter der Inflationsrate liegt.

3. Das Risiko einer niedrigen Tilgungsrate bei niedrigem Zinsniveau

a. Das Tilgungsparadox

Zunächst klingt es unlogisch, aber je niedriger der Zinssatz, desto länger muss ein Darlehen abbezahlt werden. Viele Kreditnehmer achten lediglich auf eine bezahlbare Monatsrate, jedoch nicht auf die Tilgungshöhe. Das Ergebnis sind unnötig lange Kreditlaufzeiten. Denn die Gefahr schwebt in den niedrigen Tilgungsraten. Ein Annuitätendarlehen dauert bei einem niedrigen Zinssatz und einer ebenso niedrigen Tilgungshöhe erheblich länger, bis der Status der Entschuldung erreicht ist. Viele Verbraucher schätzen diese Situation deswegen falsch ein und werden erst beim Erstgespräch mit dem Berater richtig aufgeklärt. Dann droht jedoch bereits die Gefahr einer Verschuldung, denn nicht jedes Kreditinstitut handelt zum Wohle des Verbrauchers. 

i. Beispielrechnungen

Angenommen ein Sparer verfügt über eine Rate von 400 Euro monatlich und der Kredit beläuft sich auf eine Summe von 200.000 Euro, dann ist dieser erst nach 53,92 Jahren abbezahlt, vorausgesetzt es wird ein nominaler, hypothetischer Jahreszinssatz von 1,00 Prozent veranschlagt. Zum Vergleich: Wird eine höhere Rate veranschlagt, so reduziert sich nicht nur die Laufzeit des Kredits, sondern auch die Zinsen und Gebühren, die in diesem Verlauf bezahlt werden müssen. Je höher der Zinssatz allerdings wird und je niedriger die Rate, desto länger wird die Laufzeit und desto teurer die Zinsen und Gebühren, die insgesamt gezahlt werden mussten.

b. Vorherrschende Gefahren

i. Schuldenfallen

Die Gründe für Schulden sind vielfältig. Die häufigsten sind Baufinanzierung und der Kauf eines Eigenheims, weswegen der Aspekt in diesem Kontext von übergeordneter Bedeutung ist. Damit einher geht in der Regel der Ratenkredit, der viele unwissende Menschen in die Schuldenfalle treibt. Beispielsweise kann durch den Verlust eines Arbeitsplatzes dieser Fall eintreten oder, wenn eine weitere große Investition ansteht, der laufende Kredit jedoch nicht aufgestockt werden kann. Dann müssen die Gelder ausgegeben werden, die ursprünglich für die Tilgung des Kredites vorgesehen waren. Personen, die sich in einer solchen Lage befinden, sollten unbedingt versuchen, den Kredit auszusetzen, bis die prekäre Lage überstanden ist. Ein weiteres Problem droht, wenn ein zweiter Kredit aufzunehmen ist. Deswegen sollte immer abgewogen werden, ob überhaupt ein Ratenkredit möglich ist. Ein wirtschaftliches Risiko besteht allemal und der Verbraucher muss sich dessen auch bewusst sein. Des Weiteren hilft eine Restschuldversicherung dabei, dass bei möglichem Zahlungsausfall vorgesorgt ist.

ii. Hohe Restschulden

Ist die Kreditlaufzeit abgelaufen, gibt es häufig eine bestimmte Restschuld, die anschließend zu begleichen ist. Diese Schuld muss in Form eines neuen Kredits getilgt werden. Allerdings ist nicht sicher, wie hoch das Zinsniveau in Zukunft sein wird, weswegen der Verbraucherberater Martin Reuter in diesem Artikel dazu rät, das Zinsniveau so lange wie möglich zu sichern, bis eine Entschuldung erreicht wird. Andernfalls können hohe Restschulden entstehen, die durch einen Kredit mit schlechteren Bedingungen beglichen werden müssen.

iii. Lange Kreditlaufzeiten

Je länger die Bindung an die Bank, desto unflexibler sind die Verbraucher. Denn ein Kredit schreibt die pünktliche und zuverlässige monatliche Tilgung der Schulden vor. Wird die Vereinbarung vorzeitig gekündigt, so hat die Bank das Recht, einen bestimmten Betrag, die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung, einzuziehen. Der Vorteil einer langen Kreditlaufzeit besteht aktuell bei dem niedrigen Zinsniveau, denn so kann sich dieses für die gesamte Finanzierungsdauer gesichert werden. Allerdings wird dennoch empfohlen, eine hohe Tilgungsrate zu vereinbaren. Der große Vorteil: Nach einer bestimmten Laufzeit kann der Kredit gekündigt werden, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen. Trotzdem büßt der Verbraucher seine Flexibilität bei langen Kreditlaufzeiten ein. Darüber hinaus steht die Bank als Inhaber im Grundbuch, bis die letzte Rate abbezahlt ist.

c. Empfehlungen 

i. Hoch tilgen statt Schuldenfalle

Je niedriger die Tilgung also ist, desto mehr Zeit benötigt der Verbraucher, um den Kredit endgültig abzuzahlen. Je höher die Tilgungsrate, desto schneller ist die Summe abbezahlt und desto weniger Zinsen müssen im Umkehrschluss veräußert werden. Allerdings müssen sich die Verbraucher bewusst sein, dass die Höhe der Raten genau auf das Einkommen und die familiären Umstände abgestimmt werden sollten. Plant ein frisch verheiratetes Paar in naher Zukunft mit Kindern, so ist dieser Umstand in die Kalkulation mit einzubeziehen. Entsprechend sollte die Tilgungsrate niemals von der gegenwärtigen Situation betrachtet werden, sondern es ist sicherzustellen, dass die Gebühren zu jeder Zeit abbezahlt werden können, ohne, dass die Gefahr eines Zahlungsausfalls besteht. Verbraucher müssen also abwägen, ob sie in der Lage sind, über den gesamten Zeitraum diese finanzielle Last zu stemmen. Bei niedrigeren Tilgungen besteht dieses Risiko hingegen nicht, allerdings dauert es auch länger, bis der Kredit abbezahlt ist, sodass das Risiko besteht, den Kredit noch im Rentenalter abbezahlen zu müssen.

ii. Das optimale Verhältnis zwischen Zins und Tilgung 

Wie die bisherigen Gefahren und Empfehlungen gezeigt haben, kommt es besonders auf ein gesundes Verhältnis zwischen Zins und Tilgung an. 

Dieser Link bietet dem Verbraucher die Möglichkeit, sich selbst über das optimale Verhältnis zu erkundigen. Die Berechnung wird im Vorfeld empfohlen, um einen Überblick über die anstehende finanzielle Belastung zu gewinnen. Zinskonditionen können individuell einkalkuliert und später bei dem Beratungsgespräch mit der Hausbank zur Disposition gestellt werden. Auf diese Weise können Verbraucher abwägen, welche Konditionen für sie machbar und welche utopisch sind. In diese Berechnung werden auch eventuelle Sondertilgungen mit einbezogen, die mittlerweile von den Banken ebenfalls angeboten werden. Dies ermöglicht dem Kunden einen ersten Eindruck über die Kosten, Laufzeiten und Zinsen, die sie in Zukunft zu stemmen haben

iii. Sondertilgungen – Zusätzliches Geld spart Kosten

Lange Zeit waren die Finanzierungen der Banken starr und es gab kaum Möglichkeiten, zusätzliche Beträge zu tilgen. Inzwischen ist dies jedoch obsolet, denn durch die zusätzlichen, optionalen Tilgungen kann die Kreditlaufzeit erheblich verkürzt werden. Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder sonstiger unerwarteter Geldsegen kann in eine Sondertilgung fließen und den Kredit so erheblich senken. Dadurch verringert sich der Gesamtbetrag der Zinsen und auch die Kreditlaufzeit wird verkürzt. Allerdings ist dies nur dann möglich, wenn dies im Vorfeld vertraglich verhandelt wurde. 

Kreditnehmer sollten also versuchen, Geld, das sie entbehren können, in Form einer Sondertilgung zu zahlen, sodass die bestehenden Schulden binnen kürzester Zeit abbezahlt werden können.

4. Verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten

a. Annuitätendarlehen

Die gängigste Kreditform ist, gemäß dieses Artikels, das Annuitätendarlehen (lat: annus – Jahr), welches eine regelmäßige Zahlungsrate beinhaltet. Es wird zwischen einer konstanten und einer variablen Variante unterschieden. Beliebt ist die konstante Form besonders aufgrund der gleichbleibenden Kreditrate, die sich über einen festgelegten Zeitraum erstreckt. Obwohl sich die finanzielle Belastung nicht ändert, sinkt der Zinsanteil kontinuierlich, was eine steigende Tilgungsrate zur Folge hat. Anders verhält es sich bei der variablen Annuität, das auch als Abzahlungsdarlehen bezeichnet wird, denn in diesem Fall bleibt die Tilgungsrate gleich hoch und die zu zahlende Zinshöhe sinkt stattdessen. Die monatliche Belastung verringert sich folglich mit der Zeit. 

b. Kombilösung

Ein Kombikredit setzt sich normalerweise aus zwei Phasen zusammen. Zum einen die Sparphase und zum anderen die Darlehensphase. Während erstere die Zeit betrifft, in welcher der Kunde das Geld in einen Bausparvertrag investiert, wird bei der Darlehensphase das Geld aufgewendet, dass zuvor eingezahlt wurde. Doch welche Vorteile bringt dieser Kombikredit? Laut den Bausparkassen ermöglicht dies eine Zinssicherheit über einen längeren Zeitraum, schließlich haben die Kreditnehmer die Möglichkeit, die Zinsen über das gesamte Zeitfenster festschreiben zu lassen. Allerdings gibt es auch Nachteile, denn der Kreditnehmer muss sich mit einem meist schlecht verzinsten Bausparvertrag zufrieden geben. Dies bekräftigt der Finanzexperte Christian Schmid-Burgk gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk. Darüber hinaus müssen sich Verbraucher auf weitere Kostenfallen einstellen, so der Experte. Denn der Kunde lässt sich auf zwei Zinssätze ein, zum einen für die Spar- und zum anderen für die Darlehensphase. Der effektive Zins bildet jedoch keinesfalls den Durchschnitt. Stattdessen liegt dieser schlussendlich viel höher. Das führt dazu, dass hohe Zinsverluste in der Sparphase entstehen können. Der Finanzexperte empfiehlt daher, dass sich Kunden explizit über das Zustandekommen der Zinssätze informieren.

c. Bausparlösung

Dieser Vertrag wird mit einer Bausparkasse abgeschlossen und findet meist bei der Finanzierung von Immobilien Anwendung. Es handelt sich um ein gegenseitiges Abkommen zwischen der Bausparkasse und dem Sparer, der durch Einzahlungen das Recht auf ein Bauspardarlehen erhält. Bei dieser Variante zahlt der Sparer regelmäßig in das Geldinstitut ein. Diese fließen in einen gemeinsamen Topf. Vorausgesetzt es wird ein bestimmter Betrag einbezahlt (in der Regel 40 Prozent der Summe), wird nach einer Wartezeit das Geld anhand eines Schlüssels ausgezahlt. Dies beinhaltet schließlich die Zinsen, Prämien sowie das Sparguthaben. 

Der Hintergedanke liegt auf der Hand. Je mehr Menschen gemeinsam sparen, desto schneller ist der kollektive Topf gefüllt. Der Vertrag wird über eine monatliche Summe abgeschlossen, die der Sparer durch die Raten „bespart“. Zinsen und staatliche Förderung tun ihr übriges, sodass diese Form weiterhin weit verbreitet ist.

5. Fazit – Gefahren des Niedrigzins

a. Beantwortung der Forschungsfrage

Wie im Laufe des Textes aufgezeigt, gibt es diverse Gefahren, die bei falschen Beratungen drohen können. Dadurch besteht immer das Risiko der Überschuldung, denn viele Konsumenten sind sich nicht über die Folgen im Klaren, die aufgrund niedriger Zinssätze entstehen können und lassen sich stattdessen von den vermeintlich günstigen Konditionen täuschen. Aus diesem Grund ist die Forschungsfrage durchaus positiv zu beantworten, zumal die Zahl der Privatinsolvenzen in den vergangen Jahren drastisch angestiegen ist. Ob dies in einem direkten Zusammenhang mit der sukzessiven Senkung des Leitzinses und dem damit verbundenen billigen Geld steht, ist jedoch lediglich Spekulation. Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der niedrige Zins dazu verlockt, einen Kredit aufzunehmen, der unter anderen Umständen nicht zu stemmen wäre.

b. Ausblick

Nachdem die US-Notenbank Fed ihrerseits den Leitzins anzuheben plant, wird sich auch die Europäische Zentralbank dieser Maßnahme auf Dauer nicht mehr verschließen können. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird der Bauboom, der massive Kauf von Immobilien abklingen. Fakt ist, auf Dauer lässt sich diese Politik nicht so weiterverfolgen. Zwar bieten sich die niedrigen Zinsen für Personen an, die ihr Geld in Immobilien investieren wollen, der Anreiz zum Sparen ist hingegen kaum vorhanden.

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