sozialleistungen.info > News > Hartz IV / ALG II > Studie: Ein-Euro Jobs kosten feste Stellen

Studie: Ein-Euro Jobs kosten feste Stellen

Nachricht zum Thema Hartz IV / ALG II 06.09.2007 um 00:58 Uhr
Autor: pr

Laut einer aktuellen Studie verdrängen die staatlich subventionierten Arbeitsangebote reguläre Arbeitsstellen. Aufgrund dessen ist nun auch ein Streit bei der Bundesagentur für Arbeit über die so genannten “Ein-Euro-Jobs“ entbrannt.

Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, welches an die Bundesagentur für Arbeit angegliedert ist, erhoben hat, werden die Ein-Euro-Jobber in fast jedem zweiten Betrieb nicht regulär eingesetzt. Von der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt wird dies allerdings zurückgewiesen.
Jeder fünfte Betrieb setzt den Angaben des Instituts nach die Ein-Euro-Jobber zum Beispiel als Ersatz oder Vertretung im Urlaubs- oder Krankheitsfall ein, was aber nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht gestattet ist. Das sagte die IAB-Forscherin Anja Kettner.
Auch die Sachverständige der Bundesagentur für Arbeit, Ursula Engelen-Kefer, äußerte sich zu der Sache. Ihrer Ansicht nach sei das Maß des Erträglichen schon längst überschritten.

Die Ein-Euro-Jobber stellen in Ostdeutschland inzwischen einen Anteil von 4,4 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. Insgesamt waren im vergangenen Jahr laut Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 240.000 Ein-Euro-Beschäftigte in 13.000 Unternehmen tätig.
Nach Meinung der Landesarbeitsagentur von Sachsen-Anhalt/Thüringen seien die Angaben des Instituts allerdings nicht repräsentativ. Immerhin handele es sich hierbei um erste Forschungsergebnisse. Daher wies die Agentur-Geschäftsführerin Simone Simon die Darstellungen des Instituts auch zurück.
So würden die zurzeit etwa 21.000 Ein-Euro-Jobs in Sachsen-Anhalt nur für Empfänger von Arbeitslosengeld II eingesetzt, welche in der Regel in gemeinwohlorientierten Unternehmen arbeiten würden. Weiterhin gebe es laut Simon auch ein Verfahren, welches mit den Kammern und Wirtschaftsverbänden abgestimmt sei. Dieses Verfahren regelt laut Simon auch, in welcher Form Ein-Euro-Jobs angeboten werden.
Die Wirtschaftsverbände kritisieren allerdings ebenfalls die Praxis bei den Ein-Euro-Jobs. So würden sich etliche Landräte und Bürgermeister an den mit den Kammern erarbeiteten Katalogen von Beschäftigungsfeldern nicht gebunden fühlen, so Peter Heimann, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau.
Auch der Präsident der Handwerkskammer Halle, Thomas Keindorf, sieht in dem Ergebnis des Instituts seine Meinung und Auffassung bestätigt. Keindorf sagte, dass die Ein-Euro-Jobs am Arbeitsmarkt zu einem “Drehtür-Effekt“ führen würden. Die Arbeit von Handwerksbetrieben werde durch die staatliche Beschäftigung verdrängt, so Keindorf.


zu diesem Thema gibt es keine passenden Nachrichten.


2 Kommentare zu 'Studie: Ein-Euro Jobs kosten feste Stellen'

Kommentare als RSS oder TrackBack von 'Studie: Ein-Euro Jobs kosten feste Stellen'.

  1. Karl Marx

    am 13.09.2007 um 10:55 Uhr

    Aha und das bekommt die Regierung erst jetzt mit? Unternommen wurde aber noch nichts, viel mehr werden H4-Empfänger immer noch gezwungen, solche Arbeit zu machen. Schließlich sollen sie ja keine Schwarzarbeit machen…

  2. Dieter Niederschuh

    am 01.10.2007 um 00:35 Uhr

    Ich habe schon seit fast 2 Jahren einen 1Euro Job an einer Schule im Taunus.
    Für dass was ich dort tue gab es einmal eine Planstelle die sich Medienassistent nannte, die Schulleitung wollte mich in dieser Position gerne fest einstellen, was aber vom Hochtaunuskreis abgelehnt wurde.
    1 Euro-Jobber sind eben billiger.
    Auch habe ich an dieser Schule zusätzlich eine U-Plus Stelle angenommen, ich übernehme bei dieser Zusatztätigkeit Aufsichten in Klassen bei denen die Lehrer z.Bsp. wegen Krankheit ausgefallen sind.
    Für diese Tätigkeit erhalte ich einen bestimmten Stundenlohn. Hiervon sind die ersten 100 Euro frei, also können ohne Abzug dazuverdient werden. Von jedem weiteren Euro, werden mir 80% abgezogen. Bsp.: verdiene ich 100 Euro kann ich die behalten. verdiene ich 200 Euro kann ich 120 Euro behalten und 80 Euro werden mir vom ALG abgezogen.
    Weiterhin muß ich für meine Wohnung 96 Euro von meinem Regelsatz selbst bezahlen, ich habe im November 2006 Widespruch eingelegt, aber der Widerspruch wurde bis heute September 2007 nicht bearbeitet.
    Hartz 4 verletzt die Menschenwürde ganz ohne Zweifel, aber so etwas kommt eben dabei heraus wenn ein Staat von kriminellen Wirschaftsbossen Gesetze entwerfen lässt und mit Stolz ein solches Gesetz einführt und ihm dann auch noch den Namen des Verfassers gibt.

    Armes Deutschland !!!

Kommentar hinterlassen






weitere Nachrichten