Zwischen Ehrenamt und Eigennutz

Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt. An dieser Weisheit ist durchaus etwas dran.

In heutigen Zeiten erlebt die sogenannte Glücksforschung einen regelrechten Boom und Studien kommen zu dem Ergebnis, dass nicht die Lebensumstände, also der Beruf oder die Partnerschaft ausschlaggebend für das eigene Glücksempfinden sind, sondern das eigene Verhalten sowie die täglichen Routinen einen viel größeren Einfluss haben. Soziales Engagement ist ein besonders wirksames Mittel zur Steigerung des eigenen Glücksempfindens. Doch warum ist das so und welche Möglichkeiten gibt es, sich sozial zu engagieren? Der folgende Artikel gibt Antworten auf diese Fragen.

Warum macht soziales Engagement glücklich?

Die Psychologieprofessorin Sonja Lyubomirsky von der University of California fand in einer Studie heraus, dass gerade einmal zehn Prozent unseres individuellen Glücksempfindens auf unsere Lebensumstände zurückzuführen sind. Rund 50 Prozent seien genetisch bedingt, so die Professorin weiter. Den restlichen 40 Prozent liegen die tägliche Routine sowie das eigene Verhalten zugrunde.

Anderen zu helfen, ist laut dieser Studie eine sehr verlässliche Methode zur Steigerung des eigenen Glücksempfindens. Studenten wurden im Verlauf der Studie in zwei Gruppen eingeteilt, eine Versuchsgruppe und eine Kontrollgruppe. Die Versuchsgruppe bekam den Auftrag sechs Wochen lang einmal wöchentlich mehrere gute Taten zu begehen, etwa die Großeltern im Altersheim zu besuchen oder einem Obdachlosen etwas zu Essen zu kaufen. Das Glücksempfinden der Versuchsgruppe stieg innerhalb dieser Zeit im Gegensatz zu dem der Kontrollgruppe signifikant an.
Doch warum ist das so? Zum einen wertet Helfen das eigene Selbstbild auf. Wer sich sozial einbringt, vermittelt damit seine Großzügigkeit und seine Güte. Das Gefühl der Verbundenheit mit anderen ist jedoch weitaus ausschlaggebender. Wer anderen uneigennützig hilft, bekommt ihre Dankbarkeit zu spüren und eventuell entwickeln sich aus dieser besonderen Beziehung sogar Freundschaften, die ein Leben lang Bestand haben. Die so freigesetzten positiven Gefühle gehen über das eigene Empfinden hinaus und beeinflussen das gesamte soziale Netzwerk auf positive Art und Weise.

Möglichkeiten, sich bei Organisationen sozial zu engagieren

Zahlreiche humanitäre oder ökologische Projekte sind vom Engagement ehrenamtlicher Helfer abhängig. Wie die nachstehende Statistik zeigt, ist die Anzahl der ehrenamtlich Tätigen in den letzten Jahren nur leicht angestiegen.

Die Anzahl der ehrenamtlich Tätigen ist in den letzten Jahren in geringfügig gestiegen
Die Anzahl der ehrenamtlich Tätigen ist in den letzten Jahren in geringfügig gestiegen (Quelle: © AWA 2014/ In: Statista 2014)

Wer sich ehrenamtlich in einem Verein oder einer Initiative engagiert, trägt also dazu bei, das jeweilige Projekt voranzutreiben. Ob es sich dabei um eine Organisation, welche für den Umweltschutz, den Tierschutz oder die Menschenrechte eintritt oder um einen karitativen Verein handelt, bleibt den eigenen Interessen überlassen. Natürlich macht Helfen besonders viel Freude, wenn die Ziele der Organisation oder des Vereins mit den eigenen Wertevorstellungen übereinstimmen. Beim DZI, dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen, findet sich eine Liste aller Organisationen, die vom DZI anerkannt sind und das Spendensiegel tragen dürfen. Wer sich ehrenamtlich engagieren will, kann diese Liste als Anhaltspunkt nehmen, um einen Überblick der Möglichkeiten zu erhalten.

Weiterhin hilfreich sind Freiwilligenagenturen, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa.de). Sie helfen dabei, diejenigen Projekte und Organisationen zu finden, die am besten auf die persönlichen Interessen und die eigene Weltanschauung abgestimmt sind.

Weitere Möglichkeiten des sozialen Engagements sind das Freiwillige Soziale Jahr oder der Bundesfreiwilligendienst. Das FSJ, wie das Freiwillige Soziale Jahr abgekürzt wird, dauert 12 Monate und beginnt meist am 1. August oder am 1. September. Es ist jedoch auch möglich, bis zu 18 Monaten oder nur 6 Monate freiwillig tätig zu sein. Bei dem FSJ handelt es sich um überwiegend praktische Hilfstätigkeiten in gemeinwohlorientierten Einrichtungen. Die gleichen Merkmale treffen auch auf den Bundesfreiwilligendienst zu.

Möglichkeiten, privat zu helfen

Wer sich nicht in einer Organisation oder einem Verein engagieren möchte, kann auch privat in seinem direkten Umfeld Gutes tun. Sei es, der alten Dame von nebenan regelmäßig Lebensmittel aus dem Supermarkt mitzubringen oder dem Kind einer Bekannten kostenlos Nachhilfe zu erteilen – die Möglichkeiten sich innerhalb der eigenen Umgebung für andere einzusetzen, sind enorm.

Soziales Engagement wertet den Lebenslauf auf

Soziales Engagement macht nicht nur glücklich, es kann auch die eigene Karriere voranbringen. Ein Großteil der Arbeitgeber legt heute enormen Wert darauf, dass Bewerber, zum Beispiel während des Studiums, soziales Engagement gezeigt haben. Schließlich sind Mitarbeiter, die das Gemeinwohl im Blick haben und nicht nur an sich denken, wichtig für das Vorankommen eines Unternehmens. Natürlich sollte niemand sozial aktiv werden, nur um seinen Lebenslauf aufzuwerten. Es muss immer auch Herzblut dahinter stecken, damit die soziale Tätigkeit einen selbst und auch das Umfeld erfüllt.

Möglichkeiten, sich indirekt sozial zu engagieren

Neben dem direkten sozialen Engagement in Form von ehrenamtlicher Arbeit, gibt es auch Möglichkeiten, sich indirekt sozial einzubringen. So zum Beispiel, wenn durch das eigene Konsumverhalten indirekt soziale Projekte unterstützt werden. Wer zum Beispiel regelmäßig die Windeln einer bestimmten Marke kauft, spendet automatisch Impfdosen für Neugeborene in Entwicklungsländern. Doch auch Lottospielen ist eine Form des indirekten sozialen Engagements. Zudem ist bekannt, dass die sogenannten Konzessionsabgaben der Lotterien von den Bundesländern für die Unterstützung sozialer Projekte, zum Beispiel in den Bereichen Sport, Kultur, Soziales oder Bildung, genutzt werden müssen. Mehr als ein Fünftel der Spielereinsätze kommt dabei dem Allgemeinwohl zugute. Dies sind nur zwei von zahlreichen Beispielen, wie indirektes soziales Engagement funktionieren kann.

Dass soziales Engagement etwas Gutes ist, ist klar, dass es allerdings das eigene Glücksempfinden signifikant steigern kann, war den Meisten bisher wohl nicht bewusst. Dies sollte ein weiterer Ansporn sein, selbst sozial aktiv zu werden. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich im privaten Umfeld oder auch in einer Organisation oder einem Verein zu engagieren und so anderen und eben auch sich selbst etwas Gutes zu tun.

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