Versicherungen für Alleinerziehende – welche braucht man wirklich?

Familien müssen zwar häufig höhere finanzielle Belastungen schultern als alleinstehende Menschen, jedoch haben sie als Familie auch einen speziellen Zusammenhalt, in dem die Lasten entsprechend ausgeteilt werden.

Leider trifft dies auf Alleinerziehende nur sehr eingeschränkt zu, da sie zwar Verantwortung für ihre Kinder übernehmen müssen, jedoch die Lasten mit niemandem teilen können. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung leben mittlerweile 1,6 Millionen Alleinerziehende in Deutschland, die nicht selten besonders große finanzielle Schwierigkeiten haben.

Wie Familien mit Eltern und Kind müssen sich Alleinerziehende natürlich auch gegen verschiedene Risiken absichern. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, welche Versicherungen gerade für Alleinerziehende besonders wichtig sind. Im Vergleich zu Familien besteht hier in einigen Bereichen nämlich ein besonders hohes Risiko.

Sachversicherungen – hier haben Familien und Alleinerziehende ähnlichen Bedarf

Im Bereich der Sachversicherungen ist der Versicherungsbedarf sowohl für Familien mit beiden Elternteilen als auch für Alleinerziehende sehr ähnlich. Folgende Versicherungen sind allgemein sehr wichtig:

1. Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Policen überhaupt, denn sie fängt finanzielle Belastungen durch selbst verursachte Schäden auf. Familientarife gelten dabei sowohl für Familien als auch für Alleinerziehende und bringen im Vergleich zum Single-Tarif kaum zusätzliche finanzielle Belastungen mit sich.

Solange die eigenen Kinder noch nicht das Alter von 7 Jahren erreicht haben, sollten Alleinerziehende und auch Familien unbedingt die Absicherung von Schäden deliktunfähiger Kinder mit in den Versicherungsschutz aufnehmen. Kinder unter 7 Jahren sind laut §828 Absatz 1 BGB nicht für selbst verursachte Schäden haftbar zu machen.

Beispiel:
Wenn das eigene Kind bei Freunden aus Versehen einen teuren Schaden verursacht und der alleinerziehende Elternteil keine Aufsichtspflichtverletzung begangen hat, muss nach Rechtslage kein Schadenersatz geleistet werden. Da sich die Privathaftpflicht normalerweise genau daran orientiert, könnte der Betroffene den Freunden den Schaden nicht ersetzen.
Lösung: Da dies jedoch das Verhältnis nachhaltig belasten könnte, wird heute die Übernahme von Schäden durch mitversicherte deliktunfähige Kinder angeboten.

Relevanz für Familien: sehr wichtig (****)
Relevanz für Alleinerziehende: sehr wichtig (****)

2. Hausratversicherung

Wann immer der eigene Hausstand durch einen Rohrbruch, ein Feuer oder einen Einbruch in Mitleidenschaft gerät, springt die Hausratversicherung ein und ersetzt den Schaden. Aus diesem Grund ist diese Versicherung sowohl für Familien als auch für Alleinerziehende sehr wichtig. Gerade wenn das eigene Budget sehr knapp kalkuliert werden muss, kann ein Verlust des Hausrats kaum kompensiert werden. Familien können die Verluste eventuell noch etwas besser auffangen als Alleinerziehende, die von einem Einkommen Ihre Kinder und sich selbst durchbringen müssen.

Relevanz für Familien: wichtig (***)
Relevanz für Alleinerziehende: wichtig (***)

3. Rechtsschutzversicherung

Eine Rechtsschutz-Police wird immer dann gebraucht, wenn eine juristische Auseinandersetzung ansteht. Ob es Streit mit dem Vermieter gibt oder der eigene Arbeitgeber wichtige Leistungen verwehrt – in solchen Fällen wird normalerweise ein Rechtsbeistand benötigt, der zunächst Kosten verursacht. Eine Rechtsschutzversicherung prüft die Erfolgschancen eines Rechtsstreits und übernimmt die Kosten bei einem positiven Ergebnis. Auch wenn es heute deutlich mehr Rechtsstreitigkeiten gibt als vor 50 Jahren, ist die Rechtsschutzversicherung sowohl für Familien als auch für Alleinerziehende deutlich entbehrlicher als die Privathaftpflicht oder die Hausrat-Police. Es kann durchaus ausreichend sein, die wichtigsten Bereiche (Arbeitsrecht, Mietrecht, Verkehrsrecht) über Mitgliedschaften in entsprechenden Vereinen abzusichern – zum Beispiel im Mieterbund. Dies ist oftmals die günstigere Variante.

Relevanz für Familien: gute Ergänzung (**)
Relevanz für Alleinerziehende: gute Ergänzung (**)

Berufsunfähigkeitsversicherung – für Alleinerziehende fast unverzichtbar

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet immer dann, wenn der Versicherungsnehmer aus irgendeinem Grund nicht mehr in der Lage ist, seinem Beruf nachzugehen. Die vereinbarte Rente wird in diesem Fall sozusagen zum Einkommensersatz, was bei Alleinerziehenden Eltern nahezu unverzichtbar ist. Das gesamte Lebensmodell beruht darauf, dass der Alleinerziehende das nötige Geld für die kleine Familie verdient. Sollte er ausfallen, sind sowohl das Kind als auch er auf staatliche Hilfe (Erwerbsminderungsrente, Sozialhilfe) angewiesen. Natürlich gilt dies eingeschränkt auch für Familien mit beiden Elternteilen, aber dort stehen oftmals zwei Einkommen auf der Einnahmenseite und der Ausfall eines Verdieners lässt sich eventuell noch kompensieren.
Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte zudem immer darauf geachtet werden, wie die Versicherung die Berufsunfähigkeit definiert. Zu starke Einengungen könnten letztlich dazu führen, dass der Versicherte seinen Beruf nicht ausüben kann und von der Versicherung angehalten wird, in einen anderen Berufszweig zu wechseln. Darüber hinaus variieren laut Stiftung Warentest die Prämien von Police zu Police sehr stark. Wer hier also die Kosten niedrig halten möchte, sollte vorher die Anbieter vergleichen.

Relevanz für Familien: wichtig (***)
Relevanz für Alleinerziehende: sehr wichtig (****)

Unfallversicherung – Versicherungsschutz für die Kinder

Wer bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, benötigt im Normalfall keine Unfallversicherung mehr, weil das Versicherungsrisiko durch die BU bereits abgedeckt ist. Trotzdem kann eine Unfallversicherung für die Kinder interessant sein, um eine eventuelle Invalidität durch Unfälle abzusichern. Nicht selten lassen sich Unfallversicherungen für Kinder später zudem in BU-Versicherungen umwandeln, ohne dass Gesundheitsfragen notwendig werden. Sollten die Finanzen gerade als Alleinerziehender sehr knapp sein, steht der Unfallschutz nicht an erster Stelle, aber stellt durchaus eine gute Ergänzung dar. Für Familien mit beiden Elternteilen sollte der günstige Unfallschutz normalerweise kein Problem darstellen.

Relevanz für Familien: wichtig (***)
Relevanz für Alleinerziehende: gute Ergänzung (**)

Risikolebensversicherung – günstige Absicherung der Hinterbliebenen

Als Alleinerziehender trägt man die Verantwortung für den Nachwuchs ganz allein und kommt (mit Ausnahme des Barunterhalts oder eventueller Waisenrente) für das Überleben der Kinder auf. Gerade wenn bereits ein Elternteil verstorben ist oder kein guter Kontakt besteht, sollten die Kinder im eigenen Todesfall gut abgesichert werden. Mit einer Risikolebensversicherung stellt dies kein großes Problem dar, denn im Todesfall wird die vorher vereinbarte Summe ausgezahlt. Dies lindert nicht den Schmerz des Verlustes, sorgt aber dafür, dass die Kinder später eine gesicherte finanzielle Zukunft haben. Sollte es bei Familien mit beiden Elternteilen nur einen Hauptverdiener geben, ist die Risikolebensversicherung natürlich genauso wichtig.

Relevanz für Familien: wichtig (***)
Relevanz für Alleinerziehende: sehr wichtig (****)

Eine individuelle Bedarfsanalyse ist für jeden wichtig

Grundsätzlich existieren Versicherungen, die für Alleinerziehende besonders wichtig sind. Trotzdem sollte niemand auf eine individuelle Bedarfsanalyse verzichten. Nicht jeder Alleinerziehende braucht die gleiche Absicherung, sondern es kommt stets auf die persönlichen Lebensumstände an. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:

  • Eine alleinerziehende Mutter benötigt dringend ein Auto, um täglich den Weg zur Arbeit zu meistern und sich zudem ausreichend um die Kinder kümmern zu können. In einem solchen Fall ist eine Kfz-Versicherung sehr wichtig, zumal die Kfz Haftpflicht sogar gesetzlich verpflichtend abgeschlossen werden muss. Sollte jedoch kein Auto erforderlich sein, wird auch keine entsprechende Versicherung benötigt.
  • Sollte ein Alleierziehender aufgrund von Vorerkrankungen zu hohe Risikoaufschläge zahlen müssen oder gar komplett abgelehnt werden, kann die Unfallversicherung einen guten Ersatz darstellen. In Kombination mit einer Dread Disease Versicherung (Absicherung für schwere Erkrankungen) kann hier in etwa ein ähnlicher Schutz wie bei einer BU-Versicherung erreicht werden.

Fazit

Es gibt eine Reihe von Versicherungen, die für jeden Menschen hierzulande fast unentbehrlich sind. Da Alleinerziehende nur ein Einkommen nutzen können, sehen sie sich im Normalfall noch größeren finanziellen Risiken ausgesetzt als Familien mit beiden Elternteilen. Aus diesem Grund sollten Sie sich auch entsprechend absichern. Zu den generell unverzichtbaren Versicherungen gehören:

  • Haftpflichtversicherung
  • ggf. Hausratversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung (oder ersatzweise Unfallversicherung)

Zusätzlich können natürlich noch weitere Policen abgeschlossen werden, die Alleinerziehende und auch Familien gut absichern, aber nicht unbedingt zum harten Kern gehören. Dazu gehören:

  • Rechtsschutzversicherung
  • Risikolebensversicherung
  • Kfz Versicherung (je nach Bedarf)
  • Krankenzusatzversicherungen
  • Ausbildungsversicherungen
  • Unfallversicherung (für die Kinder)

Mit diesem Versicherungsportfolio sind die wichtigsten Risiken zunächst abgedeckt. Darüber hinaus sollte jeder Alleinerziehende, jede Familie und auch jeder Single eine individuelle Bedarfsanalyse durchführen, um zu checken, ob es individuelle Risiken gibt. Werden diese identifiziert, lässt sich durch eine entsprechende Police gegensteuern. Somit können auch Alleinerziehende ein abgesichertes Leben führen und sich auf die gemeinsame Zeit mit Ihren Kindern konzentrieren, anstatt sich stetig Sorgen um die Zukunft machen zu müssen.

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