Wirtschaftsforscher untersuchen Sanktionspraxis

Eine am gestrigen Mittwoch veröffentlichte Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) setzt sich kritisch mit der Sanktionspraxis der Jobcenter auseinander.

Auffällig ist laut der IWH-Studie, dass besonders häufig und hart junge Arbeitslose unter 25 Jahren sanktioniert werden. So sei in dieser Personengruppe gegen fast jedem Zehnten schon mindestens einmal eine Sanktion verhangen worden. Bei den über-50-jährigen hingegen waren nur 1,4 Prozent von einer Sanktion betroffen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist die Tatsache, dass 54 Prozent der insgesamt 750.301 Sanktionen für Meldeversäumnisse und lediglich 20 Prozent für das Ablehnen einer Arbeitsstelle, Ausbildung oder Weiterbildungsmaßnahme ausgesprochen wurden.

„Der hohe Anteil von Meldeversäumnissen als Grund für Sanktionen deutet darauf hin, dass oft eher mangelnde Selbstorganisation als fehlende Arbeitsbereitschaft vorlagen“, sagte ein IWH-Vertreter.
Ziel der Sanktionsverhängung sei wohl eine allgemeine Atmosphäre des Drucks auf den Arbeitslosen zu erzeugen, fast jede angebotene Stelle anzunehmen. „Die Androhung und Verhängung von Strafen tragen zwar zur Aktivierung der Erwerbsarbeit bei, stehen jedoch im Widerspruch zur Garantie des Existenzminimums für alle“, fügte der Forscher hinzu.

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