zalando.de: Schreit auch der Praktikant vor Glück?

Nachdem amazon.de im vergangenen Jahr dem Vorwurf ausgesetzt war, sich auf kosten der öffentlichen Haushalte zumindest zeitweise im Rahmen unentgeltlicher Praktika Arbeitskräfte bereitstellen zu lassen (Bericht bei gegen-hartz.de), deutet das ZDF in einem TV-Bericht (ZDFzoom: „Gnadenlos billig“ – Link zur ZDF-Mediathek) nun an, dass sich auch der aufstrebende Online-Versandhändler zalando.de möglicherweise vergleichbarer Mittel bediene.

Das ZDF berichtet über ein von der Bundesagentur für Arbeit vermitteltes, sechstägiges unbezahltes „Schnupperpraktikum“, das jedoch nicht zu einem Jobangebot durch zalando.de führte. Vielmehr sei dem vom ZDF interviewten Praktikanten lediglich ein weiteres „Schnupperpraktikum“ angeboten worden. Der Praktikant äußerte die Vermutung, dass hierin eine Sparstrategie des Versandhändlers zalando.de zu sehen sei, da er bei Weitem nicht der einzige Praktikant gewesen sei.

Die Bundesagentur für Arbeit teilte gegenüber dem ZDF mit, es handle sich wohl um eine „Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitnehmer“, kurz MAG, nach § 45 I S. 1 Nr. 2 SGB III. Diese sei für beide Seiten eine Testphase, wobei der Arbeitgeber – hier zalando.de – keine Lohnkosten tragen müsse.

Zalando.de äußerte sich gegenüber dem ZDF dahin gehend, dass „Schnupperpraktika“ in der Regel einen Tag dauerten. Ferner bedankt man sich im Firmenblog für das „kritische Feedback“ des Berichts.

Ebenfalls vom ZDF kritisiert wurden schlechte Arbeitsbedingungen und der geringe Stundenlohn, den die nicht als Praktikanten beschäftigten Arbeitskräfte am Standort erhielten.

Zalando wurde unter anderem von den Samwer-Brüdern (Jamba Klingeltöne u.a.) gegründet und ist in mehreren Ländern Europas aktiv. Aufgrund einer aggressiven Wachstumsstrategie macht zalando zwar hohe Umsätze aber vermutlich keine Gewinne (hierzu sind bisher öffentlich keine Zahlen bekannt). In Anbetracht dessen scheint eine Strategie naheliegend, bei der man versucht wachstumsfördernde Werbeausgabe in Millionenhöhe durch Einsparungen bei den Personalkosten zumindest teilweise auszugleichen.

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