Kinderarmut: Kinderschutzbund und verschiedene Verbände fordern Sofortmaßnahmen

Die Kinderarmut hat im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Im März dieses Jahres
lebten mehr als 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren auf Soziahilfe-Niveau. Das teilte der Bundesverband des Deutschen Kinderschutzbundes mit.

Insgesamt sei die Kinderarmut damit im Vergleich zum Vorjahr um etwa 3,3 Prozent gestiegen. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Hilgers, sagte zudem, dass, wenn man noch die Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren berücksichtigen würde, insgesamt über 2,6 Millionen Kinder in Deutschland in Familien lebten, deren Eltern Bezieher von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe seien.
Der Präsident forderte daher nun die Bundesregierung auf, den Kinderzuschlag zu erhöhen. Auch sei es notwendig, die Hartz-IV-Gesetze zu reformieren und einmalige Beihilfen für Kinderbekleidung und Schuldbedarf einzuführen. Andernfalls würde die Kinderarmut weiter zunehmen.

Auch wies Hilgers nochmals auf das Versprechen der großen Koalition hin, den Kinderzuschlag ab dem Jahr 2006 weiterzuentwickeln. Hier sei bislang immer noch nichts passiert.
Den Zahlen nach sind insbesondere die Kinder in Ostdeutschland von Armut betroffen. Das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe hat errechnet, dass der Anteil der Kinder, die jünger als 15 Jahre alt sind und deren Eltern Bezieher von Arbeitslosengeld II sind, in insgesamt 10 Kreisen die 40-Prozent Marke übersteigt. Und neun dieser zehn Kreise liegen in den neuen Bundesländern.
Als Beispiel nannte man Städte wie Görlitz, wo mehr als 44 Prozent der Kinder in Familien leben, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Im Vergleich zu dem oberbayerischen Landkreis Ebersberg sei der Unterschied dramatisch. Hier müssten den Angaben nach nämlich im Vergleich „nur“ etwa 2,9 Prozent der Kinder in Armut leben. Die Quoten der Bundesländer würden von 37,6 Prozent in Berlin bis 8,5 Prozent in Bayern reichen.
Hilgers nannte auch konkrete Zahlen. Seiner Ansicht nach müsse nun dringend den Kinderzuschlag für Geringverdiener auf 175 Euro erhöht werden. Ab dem dritten Kind soll der Zuschlag bei 225 Euro liegen. Nach aktuellen Angaben des Bundesfamilienministeriums erhielten etwa 124.000 Kinder im vergangenen Jahr den zurzeit gültigen Zuschlag von bis zu 140 Euro monatlich.
Der Kinderzuschlag wird dann geleistet, wenn sich zwar die Eltern mit dem eigenen Einkommen selbst finanzieren können, das Einkommen aber dann nicht mehr ausreicht, um auch Kinder versorgen zu können. Auch warnte Hilgers davor, dass gerade ein großer Teil der jungen Leute, die zurzeit in Armut leben müssten, auch in Zukunft bzw. in ihrer späteren Lebensphase potentielle Leistungsempfänger seien.
Auch andere Verbände forderten Sofortmaßnahmen. Unter anderem sagte der Präsident der Volkssolidarität, Prof. Dr. Gunnar Winkler, dass man es nicht mehr länger hinnehmen dürfe, dass mehr als 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland in Armut aufwachsen.

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